PASSANTEN

Personen eilen durch die Bilder, zielstrebig mit bestimmtem Schritt. Sie gehen nach links, sie gehen nach rechts, sie gehen nach unten oder nach oben, selten bleiben sie stehen. Alle scheinen ein Ziel zu haben, nicht alle haben dasselbe. Sie gehen in verschiedene Richtungen, streben auseinander, gehen aneinander vorbei, grusslos, fremd. Unser Blick trifft sie von oben. Wir sehen nicht wohin sie schauen, da muss aber etwas sein.

Viele tragen Taschen in der Hand, haben Umhängetaschen oder Rucksäcke umgehängt: Nomaden der Neuzeit. Kinder gehen an der Hand Erwachsener. Das Licht wirft ihre Schatten als markante Streifen auf den Boden.

In einigen Bildern wird die Dynamik der Passanten mit der Ruhe architektonischer Elemente gebrochen, seien es Fenster oder Kollonaden eines neuzeitlichen Tempels oder Schaufenster wie im Bild Panini.


Die Malerei trägt ihren Teil zur Fragestellung, zur Verunsicherung bei. Striemig, streifig, verwischt; fleckig, gespachtelt, dick aufgetragen, wässerig verlaufend, unbestimmt mäandernd, aber immer passend und zur Stimmung im Bild beitragend. Das sind die Eingriffe, die Rosa Lachenmeier über ihre eigenen Fotografien legt und uns so manches Detail versteckt, manch anderes erst so richtig zum Vorschein bringt.

Es sind Bilder, die ihre Spannung durch die Präzision und Realität der Fotografie, die farbigen Akzente der Malerei und die dadurch entstehenden neuen, sich überlagernden Ebenen erhalten.

Franz Mäder
Rosa Lachenmeier
PASSANTEN


Diese Dokumentation erschien anlässlich der One Artist Show an der ART bodensee in Dornbirn
vom 29. bis 31. Juli 2005.

15 x 21 cm, 8 Seiten, farbige Abbildungen,
Text von Franz Mäder.

copyright für folgenden Text: Franz Mäder, Basel.